Schulen thematisieren Fusion
Schulen thematisieren auch die grosse Fusion
Am Anfang ging es um eine intensivere Zusammenarbeit der Schulen von Elgg, Hagenbuch und Hofstetten. Inzwischen ist auch eine Fusion der Politischen Gemeinden kein Tabu mehr.
ELGG/HAGENBUCH/HOFSTETTEN –
«Zum Glück erklärten sich Eltern aus Hagenbuch bereit, ihre Buben und Mädchen nach Dickbuch zu schicken. Andernfalls hätte der Kanton unseren Kindergarten vermutlich geschlossen.»
Vor zweieinhalb Wochen informierte Primarschulpräsidentin Ruth Büchi an der Hofstetter Gemeindeversammlung über die gelungene Überbrückung eines schwelenden Problems: In der rund 430 Einwohner zählenden Gemeinde am Schauenberg fehlt es an Nachwuchs. Nur sechs Knirpse sind zurzeit im «Gfätti»-Alter. Dank Zuzug aus Hagenbuch sind es nun im ersten Kindergartenjahr noch fünf mehr. Morgens chauffiert sie der Hofstetter Schulbus nach Dickbuch, mittags bringt sie das Hagenbucher Fahrzeug heim. Ruth Büchi hat die Hagenbucher Eltern an einem Informationsabend im Frühjahr für ihren Vorschlag gewinnen können. Er trägt auch dem momentanen Ansturm auf den Hagenbucher Kindergarten Rechnung.
Ausgleich zwischen Dörfern
Die Zusammenarbeit der Schulen soll im oberen Eulachtal aber nicht auf pragmatische Massnahmen beschränkt bleiben, sondern institutionalisiert werden. Gespräche auf Behördenebene sind in den zum selben Sekundarschulkreis gehörenden Gemeinden Elgg, Hagenbuch und Hofstetten schon nach den Wahlen 2006 aufgenommen worden. (Das anfänglich ebenfalls involvierte Bertschikon hat inzwischen Fusionsverhandlungen mit Wiesendangen aufgenommen.) Die Elgger Primarschulpräsidentin Isabel Stuhlmann Kühne, welche die Spurgruppe leitet, und der im Team mitwirkende Sekundarschulpräsident Giorgio Bösiger (Hagenbuch) sehen im Näherrücken viele Vorteile:
- Verteilt auf drei Schulhäuser lassen sich an den Primarschulen die grossen Schwankungen zwischen einzelnen Jahrgängen besser ausgleichen.
Es gibt weniger Doppelspurigkeiten unter den Schulen. Der Erfahrungsaustausch wird intensiviert. Projekte lassen sich leichter koordinieren.
- Die Angebote im sonderpädagogischen Bereich sind umfassender.
- Der Verwaltungsaufwand kann reduziert werden
- Es braucht weniger Schulpflegemitglieder (statt 24 eventuell noch neun). Der Wegfall von Finanzen und Liegenschaften macht das Amt attraktiver.
- Die Konzentration der Strukturen hilft, die erhöhten Anforderungen im Schulischen, im Führungstechnischen und im Administrativen zu bewältigen
Das Gemeindeamt winkt ab
Das Projekt wird von Gemeindeberater Alfred Gerber (Pfäffikon) begleitet. Der Spurgruppe gehören neben Isabel Stuhlmann und Giorgio Bösiger auch der Hagenbucher Primarschulpräsident und Gemeinderat Werner Akeret sowie Robert Frauenfelder als Finanzvorstand der Primarschulpflege Hofstetten an. Im erweiterten Steuerorgan wirken zusätzlich die drei Gemeindepräsidenten mit. «Anfänglich wollten wir vermeiden, dass durch einen Zusammenschluss der Schulen die Primarschule Hagenbuch aus der bestehenden Einheitsgemeinde herausgelöst werden muss. So stiessen wir auf ein im Kanton Bern praktiziertes Modell, das uns überzeugte», berichten Stuhlmann und Bösiger. – Die Idee: ein Dienstleistungsbetrieb «Schule Eulachtal» unter der Trägerschaft der drei Politischen Gemeinden, also ohne eigene Steuerhoheit. Das kantonale Volksschulamt zeigte Interesse am Vorschlag. Doch das Gemeindeamt legte sein Veto ein. Es handle sich nicht um eine gesetzlich anerkannte Gemeindeform. Zudem könne eine Schule nicht drei Gemeinden gleichzeitig gehören, hiess es aus Zürich.
Einheitsgemeinde Eulachtal?
Die Steuergruppe ging nach diesem negativen Bescheid über die Bücher und favorisiert nun eine Fusion – den Zusammenschluss zu einer grossen Schulgemeinde oder sogar die Vereinigung aller Schulgemeinden und Politischen Gemeinden zur Einheitsgemeinde. «Wir wissen ja heute noch nicht, was der neue kantonale Finanzausgleich bringen wird. Da stellt sich schon die Frage, ob es sich lohnt, zunächst nur die Schulen zu fusionieren und dann in einem zweiten Schritt die Politischen Gemeinden auch noch», gibt Giorgio Bösiger zu bedenken.
Aus Sicht der Steuergruppe ist die Zeit reif, die Diskussion im grösseren Rahmen zu führen: Am Samstag, 6. März 2010, will sie mit allen Schulpflegen und Gemeinderäten, den Schulleitungen und Schulverwaltungen, den Gemeindeschreibern sowie je zwei Vertretern der Ortsparteien das Vorhaben erörtern. Ziele der Veranstaltung sind Erkenntnisse über das realpolitische Machbare und ein konkreter Auftrag. Zu einem späteren Zeitpunkt sind öffentliche Orientierungen geplant. «Alle heute Beteiligten haben erkannt, dass bei den Schulen Handlungsbedarf besteht. Unter dem Druck des Finanzausgleichs sind nun auch neue Varianten denkbar geworden», sagt Isabel Stuhlmann.
Parallel zu den Gesprächen auf Behördenebene hat übrigens in den Lehrerteams eine Annäherung im Rahmen von gesellschaftlichen Anlässen und Weiterbildungen stattgefunden. «Wir erhalten ausgesprochen positive Rückmeldungen», berichtet die Schulpräsidentin dazu. RUEDI ELMER
Weiterbildungsveranstaltung der LLKEuU
Primarschulen Elgg, Hagenbuch, Hofstetten und Sekundarschule Elgg
Gemeinsame Weiterbildungsveranstaltung der LLKEuU zum Thema „Hospitation und Kollegiales Feedback“
Sie wissen nicht, was sich hinter den Buchstaben LLKEuE versteckt? Dieses Wort besteht seit über 140 Jahren und bedeutet „Lehrerinnen/Lehrer Konferenz Elgg und Umgebung“. In der LLKEuU sind die Schulen von Hagenbuch, Hofstetten, Bertschikon und Elgg zusammengeschlossen.
Früher wurden Exkursionen und mehrtägige Reisen unternommen, um so die Kontakte und den fachlichen Austausch zu pflegen. In den letzten Jahren änderten sich jedoch Ziele und Inhalte dieser Weiterbildungstage.
Die Organisation eines gemeinsamen Anlasses ist jedes Mal eine grosse Herausforderung, müssen doch Interessensgebiete von der Kindergarten- über die Primar- bis zur Sekundarstufe abgedeckt werden. Am Weiterbildungstag vom letzten Freitag haben sich die vier Schulen Schulhausgrenzen überschreitend dem gemeinsamen Thema gewidmet. Die Umsetzung gelang den Schulleiterinnen und -leitern unter der Federführung von Dany Ehrismann auf eindrücklichste Weise.
Die Primarschulen Elgg, Hagenbuch, Hofstetten und die Sekundarschule Elgg haben in ihr diesjähriges Schulprogramm die gegenseitige Hospitation und das Kollegiale Feedback aufgenommen. Wissenschaftlich ist nachgewiesen, dass dies eines der wirkungsvollsten Instrumente zur Qualitätssicherung der Schule ist.
60 Lehrpersonen hörten interessiert dem Eingangsreferat von Elisabeth Hösli von der Pädagogischen Hochschule Zürich zu. Kollegiale Hospitation ist nicht einfach ein nettes Zusammensitzen unter Kolleginnen und Kollegen. Kollegiale Hospitation ist die Form einer Lerngemeinschaft innerhalb der Schule und ein wichtiger Teil der individuellen Weiterbildung. Sie hat den Kernauftrag, das Unterrichten der Schule im Fokus und dient zur schulinternen Qualitätsentwicklung. Die Referentin erklärte aufschlussreich die zentralen Begriffe Wahrnehmung, Beobachtung, Interpretation und Bewertung. Dazwischen erteilte sie kleine Arbeitsaufträge, um das Gehörte im Praktischen auszuprobieren. Es ist immer wieder erstaunlich, wie unsere Wahrnehmung auf die unterschiedlichste Weise beeinflusst wird. Dies ist wichtig zu wissen, wenn Besuche im Klassenzimmer stattfinden. Was nehme ich wahr, was beobachte ich konkret und was ist Interpretation und Bewertung? Im Kollegialen Feedback muss es daher unter Einhaltung von genau festgelegten Regeln zum Ziel werden, die oben genannten Begriffe bewusst auseinanderzuhalten.
In den schulhausinternen Arbeitsblöcken legten die Lehrpersonen ihre Beobachtungsschwerpunkte und den definierten Besuchsablauf fest. Danach bildeten sich Tandems, zum Festlegen der Besuche und Gespräche. Der Schulunterricht muss ja weiter garantiert sein, was bedeutet, dass untereinander Stellvertretungen abgemacht wurden.
Ein Hofnarr begleitete die Arbeitsblöcke dieses Weiterbildungstages. Eric Rief, Organisationsberater und leidenschaftlicher Zauberer, versetzte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer wieder in Staunen. Bezug nehmend auf die zentralen Begriffe Wahrnehmung, Wahrheit oder optische Täuschung schickte Eric Rief alle auf einen „erstaunlichen“ Wahrnehmungsparcour. Kaum zu glauben, wie unser Gehirn uns täuschen kann!
Mit amüsanten Spielereien bewies der Hofnarr, dass Teams schneller und effizienter einen gemeinsamen Auftrag ausführen, wenn alle am gleichen Strick ziehen.
...und immer wieder lockerten seine verblüffenden Zaubereien das Tagungsprogramm auf.
Soviel „Kopfarbeit“ macht hungrig. Im Mittagstischraum der Sekundarschule durfte die LLKEuU ein feines Mittagessen geniessen. Vielen Dank dem Koch Hansjörg Oettli, seiner Helferin Franziska Bösch und dem Hauswartehepaar Reber.
Am Abend verliessen zufriedene Gesichter die Schulanlage im Ritschberg. Hatte man doch anschauliches Wissen erhalten, vorbereitete Hospitationen und Gespräche in der Mappe und das Schmunzeln über die letzte treffende Zauberei noch auf den Lippen!
Silvia Soldini




