Zaubertafel
Zaubertafel fasziniert Schüler und Lehrer [223 KB]
In acht Klassenzimmern der Primarschule Elgg hängen seit einem Monat elektronische Wandtafeln. Die Schüler sind begeistert. Einige Lehrer nutzen die modernen Unterrichtshilfen schon intensiv, andere sind noch am Ausprobieren.
«Malaika, nakupenda Malaika» singen die Viertklässler zu den Gitarrenklängen von Primarlehrer Heinz Moser. Zum Auftakt der ersten Morgenlektion haben die 20 Schülerinnen und Schüler in zwei Reihen auf den vorn im Raum angeordneten Hockern Platz genommen. Vor sich die elektronische Wandtafel, von der sie den Text des ostafrikanischen Songs in Swahili-Sprache ablesen können. Das Notenblatt im A4-Format liegt nebenan auf einem Tischchen, von wo es via Kamera, Laptop und Beamer auf das sogenannte Smartboard projiziert wird.
Heute stehen Übungen zu den Personalformen im Mittelpunkt des Unterrichts. Das Trainingsprogramm hat die Schule Rorschach ins Internet gestellt. «Bestimme in den Sätzen, in welcher Personalform das konjugierte Verb steht», ist an der elektronischen Tafel zu lesen, und darunter: «Ich strahle vor Freude.» Natasha darf antworten. Mit dem Zeigefinger drückt sie auf den ersten der sechs virtuellen Knöpfe: «1. Person Singular.» Prompt erscheinen ein «Genau» und die OK-Taste, die ihr bestätigen, dass sie richtig geantwortet hat. Zwei Klicks und der nächste Übungssatz erscheint.
«Ich habe die Brille zu Hause vergessen», bedauert ein Mädchen. Dass ihr die Buchstaben an der fünf Meter entfernten Tafel verschwimmen, hat aber nicht nur mit Sehschwäche zu tun: Die Sonne hat an diesem Morgen früh den Nebel besiegt und scheint nun grell auf die weisse Fläche. Und weil die Schulhausfassaden gerade saniert werden, fehlen die Schatten spendenden Storen. Heinz Moser schafft Abhilfe, indem er die Tafel nach unten zieht.
Kinder wollen an die Tafel
Später setzen zehn Schülerinnen und Schüler die begonnene Übung einzeln an den Computerarbeitsplätzen fort, die an Fensterfront und Rückwand installiert sind. Die anderen Kinder beginnen an der interaktiven Wandtafel eine neue Übung zum Thema Personalformen. Nun geht es darum, die in zusammengesetzten Nomen verborgenen Verben zu konjugieren. Massgebend ist die nach Berührung des Smartboard-Würfels erscheinende Augenzahl. Besonders lustig finden die Kinder Ableitungen wie «Ich rolle Möpse» oder «Du magst net».
«Nehmen wir noch ein Wort», bettelt die Viertklässlerin Sueli, als der Lehrer den Gruppenwechsel ankündigt. «Die Schüler sind motiviert und begierig, mit der neuen Technologie zu arbeiten. Ängste kennen sie nicht», versichert er später im Lehrerzimmer.
Von den unendlich vielen Anwendungsmöglichkeiten der elektronischen Wandtafel sind in der 45-minütigen Lektion nur wenige zum Zug gekommen. Weitere führt Heinz Moser in der Pause vor: Beispielsweise nutzt er den Finger als Schreibutensil und verwandelt die schwungvoll verbundenen Buchstaben flugs in eine standardisierte Computerschrift. Oder er nimmt einen Stift und zaubert eine blaue Linie auf die Tafel. Mit einem anderen zeichnet er rot. Mit dem «elektronischen Schwamm» wischt er alles wieder weg. Will er in der folgenden Lektion an der letzten anknüpfen, so speichert er den Unterrichtsstoff und ruft ihn am nächsten Tag wieder ab.
«Für mich bringt das Smartboard eine grosse Arbeitserleichterung», sagt der 57-jährige Lehrer: Er benötigt keine Folien mehr, kann seine Unterrichtsvorbereitungen zu Hause erarbeiten und dann im handlichen Computerstick in die Schule bringen. Als Informatikverantwortlicher hat er an der Primarschule Elgg in den vergangenen eineinhalb Jahren eines von drei Testsmartboards erprobt. Zwei hat die Schule nun als Occasionen gekauft. Nach den Herbstferien sind sechs neue Geräte hinzugekommen.
Für einige Lehrer Neuland
Die Hightechflächen sind in die bewährten schwarzen Wandtafeln integriert, sodass diese den Lehrerinnen und Lehrern bei Bedarf weiterhin zur Verfügung stehen. «Einige möchten nicht darauf verzichten», bestätigt Primarschulpräsidentin Monika Brühwiler. Etwa ein Drittel aller Lehrkräfte an der Primarschule im See nutzt die neue Technologie, und zwar vorwiegend an der Mittelstufe. Diverse tun es – wie Heinz Moser – mit Enthusiasmus. Andere sind noch daran, sich Schritt für Schritt einzuarbeiten. Hin und wieder kommt es zum Abtausch von Klassenzimmern, damit der Benützerkreis erweitert werden kann. Dass die Primarschule Elgg in Sachen Informatik die Nase vorne hat, beweisen nicht nur die Smartboards. Bis Ende Jahr wird auch der Computerraum mit neuen Laptops ausgerüstet sein. Für diverse Neuanschaffungen haben die Stimmberechtigten im Juni knapp 189 000 Franken bewilligt (siehe Kasten). Nun sind Behörde und Lehrerschaft daran, ein Informatikkonzept zu erarbeiten: «Wir möchten einheitlich regeln, was die Kinder beherrschen müssen, wenn sie die Schule am Ende der 6. Klasse verlassen», sagt Monika Brühwiler.
Bericht Landbote: RUEDI ELMER





